Die ETF-GmbH wird oft falsch gerechnet. Nicht weil die Teilfreistellung unwichtig wäre. Sondern weil viele Rechnungen nur den Steuervorteil zeigen — und den Preis der Struktur ausblenden.
Was muss eine ETF-GmbH überhaupt schlagen?
Sie muss nicht das Privatdepot auf dem Papier schlagen. Sie muss nach laufenden Kosten, Steuerstundung, Entnahmebesteuerung und Verwaltungsaufwand noch sinnvoll sein.
Das ist ein anderer Maßstab. Ein jährlicher Steuervorteil von 800 € klingt gut, bis die GmbH 3.500 € kostet. Dann arbeitet nicht das Kapital effizienter. Dann arbeitet der Steuerberater effizienter.
Wie sieht der Break-even bei laufenden ETF-Erträgen aus?
Bei Aktienfonds entsteht in der GmbH gegenüber dem Privatdepot ein Vorteil, weil nur 20 % statt 70 % der Erträge besteuert werden. Der absolute Vorteil hängt stark von der Ausschüttungs- oder Ertragsrendite ab.
Privat: 1.000 € × 70 % × 25 % = 175 € Steuer
GmbH: 1.000 € × 20 % × 30 % = 60 € Steuer
Differenz: 115 € pro 100.000 € und 1 % Ertrag
Ohne Soli, Kirchensteuer, Quellensteuer, Kosten und spätere Entnahme. Der Wert ist eine Arbeitsgröße, keine Empfehlung.
2 % Ertrag: 3.500 € / 230 € ≈ 1,52 Mio. € Depot
3 % Ertrag: 3.500 € / 345 € ≈ 1,01 Mio. € Depot
4 % Ertrag: 3.500 € / 460 € ≈ 761.000 € Depot
Das ist nur die laufende Ertragsrechnung. Kursgewinnstundung, bereits vorhandene GmbH-Struktur und Thesaurierung können die Betrachtung verändern.
Diese Rechnung ist absichtlich nüchtern. Sie zeigt: Wer eine ETF-GmbH nur wegen laufender Ausschüttungen gründet, braucht mehr Substanz, als viele Online-Rechnungen suggerieren.
Warum kann sich die GmbH trotzdem früher lohnen?
Wenn die GmbH ohnehin existiert, wenn operative Gewinne dort anfallen oder wenn Kapital lange ohne private Entnahme investiert bleibt, verändert sich die Rechnung.
Eine Unternehmerin hat 400.000 € Liquidität in der Holding. Die Holding existiert ohnehin. Die zusätzlichen Kosten für ein ETF-Depot und etwas Buchhaltung sind gering.
In diesem Fall muss der ETF nicht die vollen GmbH-Kosten verdienen. Die Struktur ist schon da. Die Frage lautet nur noch, ob Cash, Tagesgeld, Geldmarkt-ETF oder Aktien-ETF zur Kapitalplanung passt.
Welche drei Bedingungen müssen zusammenkommen?
Kapitalvolumen, Zeit und Entnahmeplanung. Fehlt einer dieser drei Bausteine, wird die ETF-GmbH schnell zur schönen, aber teuren Konstruktion.
Die ETF-GmbH wird ernsthaft prüfenswert, wenn:
- die Struktur bereits besteht oder aus anderen Gründen gebraucht wird
- Kapital lange in der Gesellschaft bleibt
- keine regelmäßigen privaten Entnahmen geplant sind
- Depotgröße und Ertrag hoch genug sind, um Kosten zu rechtfertigen
Sie ist kritisch zu sehen, wenn:
- nur ein kleines Privatdepot „steueroptimiert“ werden soll
- Kapital bald privat gebraucht wird
- die GmbH nur für den ETF gegründet würde
- die Rechnung ohne laufende Kosten erstellt wurde
Was ist der eigentliche Kipppunkt?
Der Kipppunkt liegt nicht bei einer magischen Depotgröße. Er liegt dort, wo der strukturelle Vorteil größer ist als die Summe aus Kosten, Komplexität und späterer Entnahmebelastung.
Das ist unbequem, weil es keine einfache Zahl liefert. Aber genau das ist die ehrliche Antwort.
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Diese Inhalte ersetzen keine Steuer-, Rechts-, Anlage- oder Finanzierungsberatung. Alle Rechenbeispiele sind vereinfachte Modellrechnungen. Ob eine Struktur im Einzelfall sinnvoll ist, hängt von Steuersatz, Gewerbesteuer-Hebesatz, Quellensteuer, Fondsart, Beteiligungshöhe, Entnahmeplanung, Kosten und persönlicher Situation ab. Stand 2025.