Beim Vermögensaufbau ist ein Crash ein Schnäppchen. Beim Vermögensverzehr kann derselbe Crash dein Depot ruinieren – obwohl die langfristige Durchschnittsrendite identisch ist. Der Unterschied heißt Sequenzrisiko, und er ist der am meisten unterschätzte Punkt der Ruhestandsplanung.
Mechanik 01Was ist das Sequenzrisiko?
Das Sequenzrisiko ist die Gefahr, dass schwere Kursverluste genau zu Beginn der Entnahmephase auftreten – nicht irgendwann, sondern im falschen Moment.
Warum ist das so gefährlich?
Wer im Crash entnimmt, verkauft mehr Anteile zu niedrigen Kursen. Diese Anteile fehlen dauerhaft für die spätere Erholung – das Depot kommt nie ganz zurück.
Wen trifft es weniger?
Wer noch anspart: Für ihn ist ein früher Crash ein Vorteil, weil er günstig nachkauft.
Nicht die Durchschnittsrendite entscheidet über den Ruhestand, sondern die Reihenfolge der Jahre.
Mechanik 02Wie viel kann man „sicher“ entnehmen?
Als Faustregel kursiert die 4-%-Regel – realistisch ist heute oft eher 3 bis 3,5 %, weil Ruhestände länger und Bewertungen höher sind.
Die 4-%-Regel stammt aus US-Daten und unterstellt einen 30-jährigen Ruhestand. Wer früher aufhört zu arbeiten oder konservativer plant, rechnet besser mit einer niedrigeren Rate – das senkt das Risiko, das Geld zu überleben.
Mechanik 03Wie entschärft man das Sequenzrisiko?
- Cash-Puffer – 2 bis 3 Jahresausgaben liquide halten, um Crashs auszusitzen
- flexible Entnahme – in schlechten Jahren weniger entnehmen
- höherer Stabilitätsanteil kurz vor und zu Beginn des Ruhestands
- nicht alles auf einmal in den Verzehr überführen
Mechanik 04Warum betrifft es Sparer kaum?
Weil ein Crash in der Ansparphase die Kurse senkt, zu denen du nachkaufst – du bekommst mehr Anteile fürs gleiche Geld.
Genau deshalb ist die größte Gefahr nicht der Crash mit 35, sondern der mit 67 – und genau deshalb verschiebt sich die Strategie mit dem Lebensabschnitt.
Zurück zur ÜbersichtWertpapiere & PortfolioWarum dein Verhalten und die Reihenfolge der Jahre mehr zählen als die Produktauswahl.
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Zum FIRE-Rechner →FAQHäufige Fragen
Ist die 4-%-Regel sicher?
Sie ist eine Faustregel aus historischen Daten, keine Garantie. Sie kann in ungünstigen Szenarien zu hoch sein. Viele planen daher konservativer und kombinieren eine niedrigere Rate mit Flexibilität in schlechten Jahren.
Wie groß sollte der Cash-Puffer sein?
Verbreitet sind zwei bis drei Jahresausgaben. Der Puffer erlaubt, in einem Crash daraus zu leben, statt Aktien zum Tiefpunkt zu verkaufen – der Kern gegen das Sequenzrisiko.
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