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Holding & Steuern

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Geld aus der Holding holen: Wie die Entscheidung mit 30 die Steuer mit 55 bestimmt

Zwei Brüder, gleiches Kapital, dieselben Aktien, dieselbe Holding, dieselbe Entnahme. Nach 30 Jahren trennt sie ein Drittel Vermögen — ohne dass einer die bessere Aktie hatte. Der Unterschied ist eine Strukturentscheidung, die 25 Jahre vorher fiel. Das ist die Entnahme-Seite der Asset Location.

In einer Holding verkaufte Aktien sind dank § 8b KStG zu 95 % steuerfrei — der teure Moment ist der Weg ins Privatvermögen. Wer sein Kapital beim Aufbau als Darlehen statt als Eigenkapital einbringt, kann es später steuerfrei und flexibel zurückholen, statt jeden Euro durch die Ausschüttungssteuer zu schicken. Über 30 Jahre macht das in unserer Modellierung rund 173.000 € Unterschied — bei identischem Depot.

Dieser Artikel ist eine Illustration, kein Rezept. Er zeigt an zwei Brüdern, wie ein Mechanismus wirkt — nicht, was du tun sollst. Wie das in deinem Fall aussieht, gehört auf den Tisch eines Steuerberaters. Aber den Mechanismus zu verstehen lohnt sich, denn er entscheidet über das, was am Ende übrig bleibt.

Der AufbauZwei Brüder, ein Startpunkt

Anton und Ben sind Brüder, beide 30, beide haben dasselbe Kapital aufgebaut und denselben Plan: mit 55 nicht mehr arbeiten und vom Vermögen leben. Beide gründen dafür eine vermögensverwaltende Holding und kaufen darin dasselbe breit gestreute Aktienportfolio. Bis hierher sind sie nicht zu unterscheiden.

Der einzige Unterschied steckt in einer leisen, technischen Entscheidung beim Aufbau — der Form, in der das Geld in die Gesellschaft fließt:

  • Anton bringt sein Kapital vollständig als Eigenkapital in die Holding ein. Sauber, einfach, das Naheliegende.
  • Ben stattet die Gesellschaft nur mit einem kleinen Eigenkapital aus und gibt den Großteil als Gesellschafterdarlehen — ein echter, schriftlicher Darlehensvertrag, bewusst niedrig verzinst.

Eine Formalie, scheinbar. Sie wird sich in 25 Jahren als der teuerste oder günstigste Satz des ganzen Plans erweisen.

25 JahreDie Aufbauphase: identisch

Während der gesamten Aufbauphase sind beide Holdings nicht zu unterscheiden. Kursgewinne aus Verkäufen sind nach § 8b zu 95 % steuerfrei — effektiv rund 1,5 % statt der 26,375 %, die im Privatdepot fällig wären. Beide Brüder profitieren identisch vom Zinseszins auf nahezu unbesteuertem Kapital.

Der bekannte Holding-Vorteil wirkt für beide gleich. Genau deshalb ist er hier nicht der Punkt. Der Punkt kommt, wenn das Geld wieder heraus soll. Warum Ben den niedrigen Zins wählt und nicht etwa einen hohen, klären wir weiter unten — er hat einen guten Grund.

Mit 55Der Ausgang: hier teilt sich der Weg

Beide sind jetzt 55, beide brauchen rund 1.800 € im Monat plus die üblichen Spitzen übers Jahr. Das Geld liegt liquide in der Holding — aber auf dem Firmenkonto, nicht auf dem privaten. Und hier verlaufen ihre Wege plötzlich völlig verschieden.

ANTON (alles Eigenkapital): Um an Geld zu kommen, muss er ausschuetten. Eine Ausschuettung gilt steuerlich zuerst als ausgeschuetteter Gewinn -> darauf faellt Steuer an, bevor er je an sein eingelegtes Kapital herankommt. BEN (Grossteil als Darlehen): Die Gesellschaft zahlt ihm sein Darlehen zurueck. Rueckzahlung von Geliehenem ist kein Ertrag -> steuerfrei. Erst wenn das Darlehen getilgt ist, muss er ueberhaupt ausschuetten.

Anton zahlt auf jeden Euro zuerst die Steuer auf die Gewinne — sein eigenes eingelegtes Kapital kommt steuerlich erst ganz am Ende, hinter den versteuerten Erträgen. Ben holt sich jahrelang sein Darlehen steuerfrei zurück und verschiebt die Steuer auf die Gewinne weit nach hinten. Gleiches Vermögen, gleicher Bedarf — und doch bleibt bei Ben über die Jahre deutlich mehr Kapital investiert.

Der MechanismusDieselbe Million, zwei Türen

Der Hebel ist kein Trick, sondern eine schlichte steuerliche Wahrheit: Wer einer Gesellschaft Geld leiht, bekommt bei der Rückzahlung sein Eigenes zurück — und zurückgezahltes Geliehenes ist kein Einkommen. Wer Geld als Eigenkapital einlegt, kann es zwar ebenfalls steuerfrei zurückerhalten (über das steuerliche Einlagekonto), aber erst in der gesetzlichen Reihenfolge: erst die steuerpflichtigen Gewinne, dann das Kapital.

Damit wird die Form der Einzahlung zum stillen Stellhebel für die Entnahme Jahrzehnte später. Ben orchestriert seinen Geldfluss über mehrere Kanäle — Fachjargon: Private Asset-Liability-Management —, Anton schüttet pauschal aus. Wie genau man die Kanäle aufteilt, hängt vom Einzelfall ab; das ist nichts, was man aus einem Artikel abschreibt.

Das Geld in der Holding ist nicht gefangen. Die Frage ist nur, durch welche Tür es wieder herauskommt — und diese Tür baut man beim Einzug, nicht beim Auszug.

Der Beweis30 echte Jahre, drei Crashs

Schicken wir beide durch 30 echte Jahre des Weltaktienmarkts — von 1989 bis 2018, mit dem Crash 1990, dem Platzen der Dotcom-Blase und 2008. Beide starten mit 600.000 €, beide entnehmen denselben Bedarf: rund 1.800 € im Monat plus Spitzen (Weihnachten, Versicherungen, Urlaub), zusammen etwa 24.000 € im ersten Jahr — exakt 4 % —, jährlich um 3 % erhöht.

0k €350k €700k €1.1 Mio €1.4 Mio €19891996200320102018 Ben · 723.000 € Anton · 549.000 € Dotcom 2008 Ben · Mix (Private ALM) Anton · 100 % Ausschüttung
Echte MSCI-World-Sequenz 1989–2018. Beide: 600.000 € Start, ~24.000 € Bedarf im ersten Jahr (4 %), +3 % Inflation. Gleicher Bedarf, gleiches Portfolio — der Unterschied ist allein die Entnahme-Struktur. Vor Kosten, vereinfacht, keine Prognose.

Beide überstehen alle drei Crashs — das ist die gute Nachricht der 4-%-Regel: Ein gestreutes Depot läuft bei dieser Entnahme über 30 Jahre praktisch nie leer. Aber am Ende trennt die beiden ein Drittel: Anton landet bei rund 549.000 €, Ben bei rund 723.000 €. Rund 173.000 € Unterschied — kein Cent davon stammt aus einer besseren Aktie oder besserem Timing. Beide hielten dasselbe Portfolio.

Der ganze Unterschied ist die Entnahme-Struktur: Ben greift früh und steuerfrei auf sein eingebrachtes Kapital zu und lässt dadurch mehr Geld investiert arbeiten; Anton schickt jeden Euro zuerst durch die Ausschüttungssteuer. Über 30 Jahre wird aus diesem kleinen jährlichen Unterschied ein sechsstelliger Betrag.

Die VerkaufsfrageWelche Aktien zuerst? FIFO in der Holding

Im Privatdepot zwingt dich das FIFO-Prinzip: Die zuerst gekauften Aktien gelten als zuerst verkauft — oft die mit dem höchsten Kursgewinn, auf den die vollen 26,375 % fallen. In der Holding verliert diese Frage ihren Schrecken, weil § 8b den Kursgewinn ohnehin zu 95 % freistellt. Du entscheidest nach Portfolio-Logik, nicht nach Steuer.

Die Kehrseite gehört dazu: Verluste aus Aktienverkäufen sind in der Holding nicht abziehbar. Was § 8b auf der Gewinnseite schenkt, nimmt er auf der Verlustseite — das beliebte private Tax-Loss-Harvesting läuft hier ins Leere. Dafür verkaufst du in der Holding, was aus Portfolio-Sicht dran ist, ohne dass die Steuer mitredet. Ein dritter, oft übersehener Entnahme-Vorteil neben dem Darlehens-Rückkanal.

Die Grenzen des HebelsWas nicht funktioniert

Das Darlehen, das nie zurückkommt. Manche denken: Dann zahlt die Holding eben mir ein Darlehen, das nie getilgt wird. Das ist die klassische verdeckte Gewinnausschüttung — die Finanzverwaltung behandelt es wie eine voll steuerpflichtige Ausschüttung. Hier leiht die Gesellschaft dir — und das ist die Falle, nicht der Hebel.
Der Umweg über hohe Zinsen. Warum gibt Ben sich nur einen niedrigen Zins? Weil Zinsen aus einem Darlehen an die eigene Gesellschaft (ab 10 % Beteiligung) nicht der Abgeltungsteuer unterliegen, sondern dem persönlichen Steuersatz — in den Hochverdienst-Jahren voll im Spitzensatz. Der Hebel ist die Tilgung des Kapitals, nicht der Zins.

Ehrlich bleibenDie ehrlichen Grenzen

Zwei Dinge zur Fairness, die ins Kleingedruckte gehören:

  • Antons Endwert enthält noch sein eingelegtes Kapital. Die rund 549.000 € umfassen seine ursprüngliche Einlage, die er am Ende ebenfalls steuerfrei zurückholen kann. Ben hat sein eingebrachtes Kapital bereits während der 30 Jahre steuerfrei erhalten. Der Unterschied liegt also nicht im Rückfluss des eigenen Kapitals — den bekommen beide steuerfrei —, sondern im Zeitpunkt des Zugriffs und in der Besteuerung der Gewinne dazwischen. Genau der frühe, steuerfreie Zugriff hält bei Ben mehr Kapital investiert.
  • Der Vorteil ist begrenzt. Die Struktur ist grob 10–15 % niedrigere Entnahme wert. Über 30 Jahre wurden daraus hier 173.000 €. Im guten Fall ist das Mehr-Vermögen; bei höherer Entnahme oder einem früheren Crash kann derselbe Hebel über Reichweite und Ruin entscheiden. Es ist kein „reich gegen pleite" — es ist ein verlässlicher, struktureller Vorsprung.

Und das Übliche: Eine Holding kostet laufend (Buchhaltung, Jahresabschluss), die Verträge müssen echt und sauber sein, das steuerliche Einlagekonto folgt eigenen Regeln. All das ist stark einzelfallabhängig und gehört vor jeder Umsetzung in die Hände eines Steuerberaters.

Wie sieht deine eigene Sequenz aus?

Die Kurve oben ist ein Beispiel. Dein Bedarf, dein Startkapital, dein Crash-Timing ergeben eine andere — und genau die entscheidet, was am Ende übrig bleibt. Rechne sie durch.

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Autor & Software-Entwickler

Sascha Wiengarn

Gründer von Ertragswerke. Als ehemaliger Bank-Compliance-Prüfer (Deutsche Bank) und Wirtschaftsjurist (LL.M.) baut und simuliert er steueroptimierte Vermögensarchitekturen — und betreibt selbst eine Holding mit vvGmbH.

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Illustration und allgemeine Information, keine Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung und keine Handlungsempfehlung. Die Figuren sind erfunden, Beträge und Zusammenhänge vereinfacht. Die Simulation nutzt die historische MSCI-World-Sequenz 1989–2018 (Gross Total Return USD) als Referenz, vor Kosten, Währungseffekten und individueller Besteuerung; historische Renditen sind keine Garantie für die Zukunft. Die steuerliche Behandlung von Holding-Strukturen und Entnahmen ist stark einzelfallabhängig und erfordert die Begleitung durch einen Steuerberater. Stand 2025.

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